Ist die Kirche eine Demokratie?

Die katholische Kirche sei erst dann wirklich erneuert, wenn sie in eine Demokratie umgewandelt sei. Diese Überzeugung steht hinter vielen Postulaten, die heute in der Kirche erhoben werden. Dabei gibt man sich selten Rechenschaft darüber, dass es sich um einen Wunschtraum handelt, der nicht in Erfüllung gehen kann, und zwar vor allem aus zwei Gründen:

Jede Demokratie steht oder fällt erstens mit dem Grundgedanken der Souveränität des Volkes. Der eigentliche Souveränitätsträger ist in der Demokratie das Volk selbst und als ganzes. In einer Demokratie geht es letztlich darum, dass die gemeinsame Sache des Volkes in rechter Weise verwaltet wird. Eine solche Souveränität des Volkes gibt es in der Kirche nicht und kann es nicht geben. Denn die Kirche hat keine Souveränität aus sich selbst. Der eigentliche Souverän der Kirche ist nicht das Volk Gottes, sondern Christus. Er ist das Haupt des Leibes, auf das es zu hören gilt. Jedes Amt in der Kirche und die sogenannte Hierarchie, die nicht „heilige Herrschaft“ (dies wäre ein hölzernes Eisen), sondern „heiliger Ursprung“ heisst, kann nur Dienst am Gehorsam dem Souverän gegenüber und Sorge um die Treue gegenüber dem heiligen Ursprung sein.

In jeder Demokratie gibt sich zweitens das Volk seine Verfassung. Dabei ist selbst in der Demokratie diese Verfügungsmacht nicht grenzenlos. Es sind vielmehr auch Verfassungselemente auszumachen, über die prinzipiell nicht demokratisch abgestimmt werden kann. Dies gilt vor allem von den Menschenrechten, über die keine Staatsgewalt verfügen darf. Für die Kirche ist diese Grenze aber fundamental. Denn das, was die Kirche zur Kirche macht, nämlich das Evangelium, kann nicht in der Verfügung der Kirche selbst stehen. Das Evangelium ist die eigentliche Verfassung der Kirche. Deshalb kann die Kirche ausgerechnet in dem, was sie ist, nicht selbst ihr eigener Souverän sein, wenn es denn wahr ist, dass Christus der Herr seiner Kirche ist.

Damit ist in keiner Weise bestritten, dass das Verständnis der Kirche als Volk Gottes die fundamentale Gleichheit aller Getauften in der Kirche ausdrückt und dass durchaus mehr Mitwirkungsmöglichkeiten aller Getauften im kirchlichen Leben als heute verwirklicht denk- und wünschbar sind. Daraus aber zu schliessen, dass die Kirche deshalb eine Demokratie sei, ist von Grund auf verfehlt, hat aber weitreichende Konsequenzen. Denn eine Kirche, die auf demokratischen Mehrheitsbeschlüssen beruhen würde, wäre nicht mehr Werk Gottes, sondern würde sich zu einer blossen Menschenkirche mutieren, in der es keine Beständigkeit mehr geben könnte. Denn alles, was eine Mehrheit einmal beschlossen hat, kann eine spätere Mehrheit wieder zurücknehmen; und alles, was Menschen gemacht haben, können spätere Generationen wieder aufheben.

Die Anerkennung Jesu Christi als Souverän der Kirche und die Treue zum Evangelium als ihre Verfassung lassen es nicht zu, dass die katholische Kirche eine Demokratie werden könnte. Würde dennoch die Kirche in eine Demokratie verwandelt, würde es sich nicht mehr um die katholische Kirche handeln. Liegt hier vielleicht der Grund, warum über diese Frage in der heutigen Öffentlichkeit so kontrovers und so leidenschaftlich gekämpft wird?

Bischof Kurt Koch, 15.06.2007 (Quelle: www.bistum-basel.ch)

Eine Antwort:
Herr Koch hält selber fest, dass auch ein Staat in seiner Gesetzgebung an die Menschenrechte gebunden ist und diese nicht per demokratische Abstimmung übergehen kann. Warum sollte dann gerade die Kirche nicht an die Menschenrechte gebunden sein? Wenn sie sich jedoch auch der Gleichberechtigung der Geschlechter verpflichtet fühlt, wie kann sie dann in krasser Weise diese Norm verletzen und z.B. das Pristeramt und andere Leitungsfunktionen der Kirche nur Männern vorbehalten? Für die Aufhebung solcher Ungerechtigkeiten setzt sich das Luzerner Manifest ein.

Bruno Fluder, 26.06.07

 

 

Ý  

 

 

 

 

LUZERNER MANIFEST
Copyright © 2007 LUZERNER MANIFEST. Alle Rechte vorbehalten. 
Web-Design: biblioArt.ch, Bruno Fluder, Luzern
Geändert am: